Gießen Ich bin im Mai 1978 in Gießen auf die Welt gekommen. Ein paar Wochen früher als geplant, aber was soll’s. Lieber einen friedlichen Stier als einen unentspannten Zwilling, dachte sich meine Mutter wohl. Recht hatte sie. Ich wurde Mitglied im Fußball-, Turn-, Tennis-, Tischtennis- und Basketballverein – und zwar in genau dieser Reihenfolge. Fußballspielen konnte ich am besten. Ich war der Libero unserer Mannschaft und wurde von meinem Trainer, wegen meines harten Schusses, nur „Der Hammer“ genannt. Mit 12 fing ich dann an, Skateboard zu fahren und ging nur noch selten zum Fußballtraining. Irgendwann gab ich es ganz auf und der TSV Langgöns stieg in die Kreisliga ab.
Zu meinem neunten Geburtstag schenkte mir mein Bruder Christoph (hier ein Interview mit uns) eine selbst aufgenommene Musikkassette. Zum ersten Mal hörte ich Namen wie Kurtis Blow, Grandmaster Flash, Blowfly, Sugar Hill Gang, Asher D & Daddy Freddy, Chad Jackson, Salt’n'Peppa oder N.W.A. Dieses Geschenk sollte mich nachhaltig beeinflussen. Als ich in der siebten Klasse war, also etwa 1990, kaufte ich mir von meinem Taschengeld für genau 99 DM eine schwarze (viel zu große) Bomberjacke und besorgte mir in einem Plattenladen einen dieser riesigen Aufnäher von Public Enemy. „Fear of a black planet“ stand da drauf, der Titel ihres aktuellen Albums. Meine Mutter nähte ihn auf die Rückseite der Jacke und ich ging damit jeden Tag in die Schule. Das war schon cool. Oldschool so sweet!
Nach dem Abi arbeitete ich, auch um meine Plattensammlung günstig vergrößern zu können, in Rudis kleinen Plattenladen in Friedberg. Es gab nicht viel tun, also spielten wir jeden Samstag stundenlang Backgammon und hörten Techno. Natürlich konnte das nicht ewig so weitergehen, also machte ich nebenbei noch eine Ausbildung zum Wirtschaftsdolmetscher. In Wahrheit wollte ich nur meinen Vater beruhigen. Er machte sich ja immer große Sorgen um mich. Auf seine Frage, was ich denn später beruflich machen wolle, konnte ich nur „irgendwas mit Musik“ antworten, womit er natürlich nichts anfangen konnte. Was sollte ich machen? Ich wusste es nicht besser.
London Als ich zwei Jahre später meinen Abschluss in der Tasche hatte, packte ich zwei Koffer und ging nach London. Das war 1999. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwarten sollte. Ich hatte keine Wohnung, kaum Geld und kannte auch niemanden, aber es ging schon irgendwie. Ich arbeitete als Sales Assistant im „Soul & Dance Department“ bei Tower Records, direkt am Piccadilly Circus. Für fünf Pfund die Stunde. Sechs Tage die Woche. Das Beste an dem Job waren die Kunden: Goldie, Naomi Campbell, die Sugababes – die liefen da alle ganz normal herum.
Ich bewohnte mit drei Franzosen zusammen eine muffelige und viel zu teure Drei-Zimmer-Wohnung in Turnpike Lane im Norden Londons. Meine Nachbarn waren Stricher, Junkies, Gangster oder alles zusammen. Mark Knopfler widmete dem Viertel in seinem Lied „Junkie Doll” die Textzeile: „Turnpike Lane, Turnpike Lane / You spiked my arm / But you missed the vein / Now it’s all gone / But the scars remain.” Es war eine abgefuckte Scheißgegend.
Frankfurt am Main Nach einem Jahr beendete ich das Abenteuer, was es wirklich war, und fing als Musikpraktikant bei Radio XXL an, dem Jugendsender des Hessischen Rundfunks. Aus den geplanten vier Wochen wurden am Ende über fünf Jahre. Zwischenzeitlich hatte sich der Sender, in der Hoffnung eine bessere Quote zu erzielen, in YOU FM umbenannt und die Musiksendung „Unfrisiert“ abgesetzt, für die ich vier Jahre lang, jeden Sonntagabend, für drei Stunden, die Musik ausgesucht hatte. Bootsy Collins kam und erzählte davon, wie es war, in den 70ern mit James Brown auf Tour zu gehen, Pharrell Williams stellte das ultimative Mädchen-Mixtape zusammen, Craig David rappte über die neuesten Garage- und 2-Step-Platten aus England und Moby philosophierte über die Simpsons. Es war einfach die beste Zeit.
Mein erstes Interview führte ich schon vorher. Das war 1997 mit den Beastie Boys für das „Jetzt“-Magazin der Süddeutschen Zeitung. Es folgten weitere Geschichten mit Gavin Rossdale, Amy Winehouse, Puff Daddy, Usher, Erykah Badu, Roy Ayers, LL Cool J oder Meat Loaf, u.a. für den Berliner Tagesspiegel. Abends, nach meinem offiziellen Redaktionsdienst textete ich Moderationen für MTV und VIVA.
Berlin Im Jahr 2005 zog ich nach Berlin und arbeitete als Musikredakteur bei Radio Fritz. Als ich im Auftrag der Süddeutschen Zeitung eine Reportage über den Rapper Bushido schreiben sollte, und wir merkten, dass wir uns auf Anhieb gut verstanden, kündigte ich meinen Job beim Radio und wurde sein PR-Berater (bis Oktober 2008). Auf einer fünfwöchigen Tour durch Deutschland, Österreich und der Schweiz begann ich, Bushidos Leben aufzuschreiben.
Im September 2008 erschien die Biografie im Münchner Riva Verlag („Bushido mit Lars Amend“). Sie landete sofort auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste, verkaufte sich knapp 200.000 Mal und zählte zu den erfolgreichsten Büchern des Jahres. Kult-Produzent Bernd Eichinger („Der Name der Rose“, Die unendliche Geschichte“, „Das Parfum“) verfilmte die Biografie übrigens unter dem Namen „Zeiten ändern dich“ und brachte sie im Frühjahr 2010 mit Starbesetzung (Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht und Hannelore Elsner) in die deutschen Kinos.
Seit Oktober 2009 ist auch mein zweites Buch „Rock Your Life – Der Gründer und Gitarrist der Scorpions verrät sein Geheimnis: Mit Spaß zu Glück und Erfolg“ auf dem Markt, das ich zusammen mit Rudolf Schenker geschrieben habe. Paulo Coelho, einer der meistgelesenen Schriftsteller der Gegenwart, hat dafür ein exklusives Vorwort beigesteuert. Zurzeit wird das Buch in mehrere Sprachen übersetzt. Im November 2010 stand „Rock Your Life“ auf Platz 1 der Helikon Bestsellerliste in Bulgarien und im Mai 2011 erreichte das Buch Platz 1 der Biblio-Globus Bestsellerliste in Russland. Yeah!
Mein drittes Buch “Mit einem Bein im Modelbusiness”, das ich zusammen mit Mario Galla geschrieben habe, erschien am 19. September 2011 bei Mosaik (Random House).
On my way to greatness … hate it or love it … thank you very much.